Er war lange ohne Sauerstoff

Licht

Alles ist laut, alles schwitzt, alles ist in Ekstase. Ein Lichtblitz schlägt auf mich nieder. Mir läuft es heiß die Stirn hinab. Ich gehe ins erste Obergeschoss zu den Toiletten. Im Spiegel sehe ich einen jungen Mann. Er ist ausgezehrt und blutet aus dem Kopf, all seine Haare sind verklebt. Das Wasser kommt nur stotternd aus dem Hahn. Ich werfe mir etwas davon ins Gesicht.

"Alles klar bei dir?"
"Es geht schon, sieht schlimmer aus als es ist"

Ich presse ein lächeln aus der aufgequollenen Masse die mal mein Gesicht war und wasche mich weiter. Das Blut schmeckt süß. Ich mustere mich. Es wird reichen für diesen Abend.

Zurück auf der Tanzfläche. Die Scherben auf dem Boden werden immer mehr. Es ist wie auf Schnee zu laufen, es knirscht so schön. Um mich herum tanzen Elfen. Sie lachen und kreischen, ich lache mit. Fasse an Taillen und Ärsche, es könnten ihre sein. Sie ist hundert mal im Raum, sieht immer anders aus. Ich tanze nur mit ihr, alles andere ist egal. Sie sollte jetzt hier sein.

Langsam wird es leer, die Elfen fliegen davon. Der Schmerz holt mich ein, ich kann nicht atmen, ich muss raus. Mein Kopf explodiert.

"Kumpel! Du bist total besoffen. Wo ist meine Marke?"

Ich gebe ihm seine Geldbörse. Ich kümmere mich um so etwas, bin immer der geordnete. Mein Kopf blutet. Er sieht es nicht, es ist zu dunkel. Er soll mich nicht so sehen.

"Komm lass uns meine Jacke holen."
"Ich warte hier, ich will sitzen."

Mein Körper fällt auf kaltes, feuchtes Leder. Ich knicke nach vorne, meine Finger krallen sich in das alte Polster, ich kann mich gerade so auf dem Sessel halten. Etwas Galle läuft aus meinem Mund, schon wieder habe ich zu wenig gegessen. Es reicht nichtmal um anständig zu Kotzen. Es ist so unglaublich bitter, dass ich Wasser trinken möchte. Aber ich will nichts, was gut für mich ist, ich will sterben.

Er ist wieder da. Er sieht die Kotze nicht, es ist zu wenig.

"Ich könnte mir vier Mädels unter den Nagel reißen."
"Du bist zu beneiden."
"Eine habe ich dir klar gemacht."
"Das bekomme ich heute nicht mehr hin."

Er lacht. Ich lüge. Ich will keine Andere.

"Komm, ich bringe dich zur Bahn."
"Wo geht es lang?"
"Scheiße! Du blutest!"
"Es sieht schlimmer aus, als es ist. Du weißt doch wie das ist. Wo müssen wir hin?"
"Halt dich einfach fest, ich mach das schon."

Wir verlassen diesen pulsierenden Ort. Es ist kalt, ich zittere. Der Bass schallt wütend hinter uns her. Wer die schützende Wärme verlässt, darf nicht wiederkommen. Jeder ist wieder allein, auf seinem Weg. Wir waren nur auf einer Kreuzung. Jetzt fahren wir weiter.

Um Sechs Uhr morgens werde ich am Kopf heraus gezogen. Es ist so kalt. Der Arzt versetzt mir einen Schlag auf meinen rosafarbenen Arsch. Ich weine nicht, ich will stark sein. Er schlägt nochmal, diesmal härter. Ich hänge kopfüber vom Fußboden und laufe blau an. Meine Mutter schluchzt, die Schwester beruhigt sie. Mein Vater ist nicht da, er hat es nicht hier rein geschafft. Er ist ein Feigling. Der Arzt legt mich bäuchlings auf seinen Unterarm, mein Kopf liegt in seiner Armbeuge, meine Beine hängen herunter. Er gibt mir die härteste Tracht Prügel meines Lebens.

Ich werde schwach. Ich kreische. Ich beginne zu sterben.