Beasts of the Southern Wild

Diesen Film sah ich zwei mal. Zuerst am Tag der Uraufführung. Ich stand mit meinem ehemaligen Auszubildenden, aus meinen Zeiten als Koch, vor dem Abaton am Allendeplatz. Wir wollten ins Kino gehen, nur um mal wieder dort gewesen zu sein. Wir studierten sorgfältig den Aushang, als ich Beasts of the Southern Wild las, drängte ich ihn zu diesem Film. Er wollte wissen worum es ginge, ich sagte ich hätte keine Ahnung, aber der Trailer ist großartig. Also dieser Film. Im großen Kino. Es waren vielleicht nur 30, 40 Leute da. 160 Sitzplätze waren sicher noch frei. Mit vier Becks für 20 € bewaffnet, saßen wir pünktlich auf den falschen Sitzen, da uns Reihe 9 nicht so attraktiv vorkam wie Reihe 10. Anschließend sind wir in die Schanze um noch ein wenig abzuhotten.

Beim zweiten mal war ich mit der Schwester des Auszubildenden da. Ich hatte ihr leichtfertig zugesagt sie zu diesem Film einzuladen, weil man den gesehen haben muss. Diesmal ohne Getränke im kleinen Kino, auf den richtigen Plätzen. Diesmal voll besetzt. Wie beim ersten mal im Originalton. Nicht was wir welche von diesen Leuten sind, die unbedingt Filme im Originalton sehen müssen. Aber im Abaton läuft er nunmal so und ich glaube das Originalton etwas mehr Authentizität transportiert, als die Übersetzung. Anschließend brachte ich sie noch zum Zug.

Bevor ich das hier schrieb, las ich mir ein paar Kritiken der großen Zeitungen durch, um zu sehen wie meine Einschätzung, von denen der Filmkritiker abweicht. Da ging es immer um die Suche nach der Moral dieser Geschichte. Politik, dieser Sturm im Süden der USA und Austeigertum. Der schlechteste und zusammenhangloseste Kritik kam von der Bild. Keine Ahnung was mich geritten hat die zu lesen, sie stand in den Google-Suchergebnissen.

Hushpuppy, die Heldin dieser Geschichte, lebt in einem Paradis in dem es an nichts mangeln sollte. Denn es gibt nichts, woraus ein Mangel entstehen könnte. Keine Versicherungen, keine Krankenhäuser, kein geregeltes Einkommen, kein Internet. Eigentlich gab es nur Wellblechhütten, Schnaps und Natur. Also nichts um das man sich sorgen musste. Obwohl das Paradis nicht flauschig ist, wie es sich im Laufe der Geschichte zeigen sollte, haben die Charaktere all das, was wir nicht haben. Seht euch diesen Film an!